, Roth Peter

Der Bär

 
«Ich schaffe einen Elektrozaun an»

Beatenberg Der Besuch eines Bären verlief nicht spurlos: Er versuchte, Waben aus einem Bienenwagen zu stehlen,allerdings ohne Erfolg. Nun spricht Imker Ernst Imhof über
die Attacke, aufgeschreckte Bienen und über Gedanken, wie es mit seiner Imkerei weitergehen soll.

«Ich bin gerade sehr mit meinen Bienenvölkern beschäftigt», erzählt Imker Ernst Imhof in seinem Bienenwagen, irgendwo auf einer Waldlichtung in Beatenberg. Er schafft sogenannte Ableger seiner Bienenvölker, unter anderem, um den Schwarmtrieb von Bienenvölkern zu dämpfen, wie es im Fachjargon heisst. Entsprechend emsig ist das Treiben der Insekten. Da ist auch der Besuch des Medienvertreters nicht gern gesehen, einzelne Bienen attackieren den Eindringling, der schmerzende «Souvenirs» mit nach Hause nimmt. Doch man hegt keinen Groll, wenn man weiss, dass die fünf Bienenvölker von Ernst Imhof kürzlich einen ganz besonderen, aber ungebetenen Besuch hatten, ist die Aufregung verständlich: Über die Pfingsttage hatten mehrere Personen in er Region Beatenbucht einen Bären gesehen, das Ganze wurde auch auf einem Video festgehalten (wir haben berichtet).

 

 

Der Kanton bestätigte, dass ein Bienenkasten in den Bienenstand geschoben wurde und Hölzer abgebrochen wurden. Weiter seien Biss- und Kratzspuren sichtbar gewesen. «Aufgrund der angetroffenen Situation und des Umstands, dass sich ein Bär in dieser Gegend aufgehalten hat, muss davon ausgegangen werden, dass der Schaden von einem Bären verursacht wurde», hiess es in einer Medienmitteilung. Der Geschädigte Ernst Imhof erzählt: «Ich bin zu dieser Zeit eher zufällig an meinem Bienenwagen vorbeigegangen.» Dabei seien ihm Kratzspuren bei den Flugbrettern aufgefallen, ein Rückstrahler sei abgebrochen gewesen. Ein grosser Schaden sei es nicht gewesen, «ich rechne mit einem Tag Arbeit». Er ist froh, dass den Völkern nichts geschehen ist. Eines davon beherberg etwa 60 000 bis 70 000 Insekten, ein Ersatz eines Volkes würde rund 200 Franken kosten und dem Imker viel Aufwand bescheren. Der 72-jährige züchtet weiter seine Bienen und produziert Honig, «ich habe schon als Schulbub Bienen gehalten», sagt er. Ob der Bär wieder zurückkehre, könne niemand sagen. Gewappnet sein will er aber auf jeden Fall: «Ich schaffe mir vielleicht einen Elektrozaun an.» Aus gutem Grund, wie das Jagdinspektorat mitteilt: «Haben Bären erst einmal den Menschen als Nahrungslieferanten erkannt, ist es aus mit ihrer Scheu.» Der Bär werde dann gezielt die Nähe des Menschen aufsuchen, «was zu gefährlichen Situationen führen kann.

 

Bericht: Berner Oberländer, vom 24.05.2018